7. Mai 2018

Intensivklassen

Hier lernen Kinder und Jugendliche die deutsche Sprache

Sprache als Schlüsselqualifikation erwerben

Seit mehreren Jahren gibt es nun bereits an unserer Schule Sprach- Intensivklassen.

Mit dem Beginn des 2. Schulhalbjahres 2015/16 stieg die Anzahl der Schülerinnen und Schüler auf 30, sodass wir eine 2. Intensivklasse eröffnen konnten. Inzwischen sind es bereits im 3. Jahr stabil 2 Klassen mit bis zu 16 Schülerinnen und Schülern.

Die Klasse 510i wird von Frau Diedicke geleitet. Hier lernen Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 8 bis 10.

Herr Erdal leitet die Klasse 511i mit den Schülerinnen und Schülern aus den Jahrgängen 5 bis 7. Maximal 16 Kinder und Jugendliche, die als Flüchtlinge oder aus EU-Ländern ohne oder mit nur sehr geringen Deutschkenntnissen zu uns kommen, lernen hier die grundlegenden Basics, um verstehen, sprechen und lesen zu können.

Nach ca. 1 Jahr, spätestens aber nach 2 Jahren, wechseln die Schülerinnen und Schüler  in ihre Regelklassen und die Intensivklassen füllen sich mit neuen Sprachschülern.

Die Klasse 510i

Die Klasse 511i

Das ist nicht immer einfach, denn anfangs sprechen oft nur sehr wenige von ihnen etwas Deutsch. Sie sind zum Teil verängstigt, haben vielleicht Schlimmes erlebt in ihrem Heimatland. Da braucht es großes Einfühlungsvermögen, viel Zuwendung, Verständnis und Zeit, anzukommen und sich geborgen zu fühlen. Manche Kinder oder Jugendliche haben kaum schulische Grundkenntnisse, da sie bisher nur sporadisch oder gar nicht die Schule besuchen konnten. Das heißt also, dass sie überhaupt nicht lesen, schreiben oder rechnen können. Und manche dieser Schülerinnen und Schüler sind bereits 14 oder 15 Jahre alt.

So verschieden – wie geht das denn?

Grundlegende Voraussetzung für das Gelingen des jahrgangsübergreifenden Unterrichts ist eine stark differenzierte Unterrichtsvorbereitung. Mit unterschiedlichen Büchern, auf unterschiedlichen Leistungsniveaus zu arbeiten und dabei den Überblick zu behalten, bedarf extrem guter Vorbereitung, großer Erfahrung und hohem Organisationstalent.

Lernen für das Sprachdiplom

Lernen und Arbeiten, üben, üben und nochmals üben – das ist das Motto. Auch für die Lehrerinnen und Lehrer, die in dieser Klasse arbeiten. Fortbildungen sind deshalb wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Und natürlich möchten wir, dass jede Schülerin und jeder Schüler die Chance erhält, das Sprachdiplom abzulegen. Was das ist, erfahren Sie auf der Unterseite Deutsches Sprachdiplom.

Alles, was die Schülerinnen und Schüler im Unterricht gelernt haben, wird zu Hause nachgelernt. Gerne auch mit den Eltern. Manchmal sind dann die Kinder und Jugendlichen die Lehrer. Wörter wie Vokabeln lernen, lesen üben – das ist noch schwieriger, wenn das Alphabet erst neu erlernt werden muss, wie bei Kindern aus Griechenland, Russland oder aus den arabischen Ländern. Inzwischen haben wir Schülerinnen und Schüler aus Polen, dem Kosovo, Bulgarien, Rumänien, Syrien, Griechenland, Afghanistan, Nepal, Pakistan, Spanien, Eritrea, dem Sudan und Ungarn bei uns.

4 Stunden Intensivklasse und 2 Stunden im Regelunterricht pro Tag – wer ist wann wo?

Auf dem Stundenplan der Intensivklassen stehen 16 Wochenstunden. Zwölf Stunden Deutsch sowie 4 Stunden Mathematik finden in den ersten 4 Stunden statt. Seit dem Schuljahr 2017/18 besuchen alle Schülerinnen und Schüler der beiden Intensivklassen täglich in der 5. und 6. Stunde ihre anvisierten Regelklassen.

So finden die Kinder und Jugendlichen gleich Anschluss an die Lehrer und Mitschüler, sind von Anfang an ein Teil der Klassengemeinschaft. Da wir in diesem Jahr auch einige Schülerinnen und Schüler mit guten Englischkenntnissen dabei haben, heißt es hier besonders zu differenzieren. Die Kinder und Jugendlichen besuchen deshalb entsprechend ihrem Können in Englisch bereits auch den Unterricht der Regelklassen. Und wer in Mathe schon ein Ass ist, der besucht natürlich auch den Regelunterricht in Mathe.

Dafür stellen die Lehrerinnen der Intensivklassen für jede Schülerin und jeden Schüler einen individuellen Stundenplan zusammen, sprechen sich mit den anderen Lehrkräften ab und fragen immer wieder nach, wie die Schülerinnen und Schüler sich im Regelunterricht entwickeln. Kommunikation ist hier das Zauberwort.

Wie kommunizieren wir mit den Eltern dieser Schülerinnen und Schüler?

Auch hier sind Einfühlungsvermögen, Organisationtalent, ein enormes Maß an Engagement und Zeit erforderlich. Wir kommunizieren mit Händen und Füßen, in den Sprachen, die unser Kollegium zu bieten hat, bitten Übersetzer hinzu und freuen uns über jedes Elternteil, das nach wenigen Monaten bereits erste Sprachkenntnisse aus den Deutschkursen nutzt, um mit uns in Kontakt zu treten.

Wir möchten, dass alle Eltern dieser Schülerinnen und Schüler an der schulischen Entwicklung ihrer Kinder teilhaben können und dazu gehört nicht nur das Interesse seitens der Eltern, sondern auch Mut, sich in einem neuen Land ohne Sprachkenntnisse und in einer ungewohnten Umgebung zu einem Elterngespräch oder einem Elternabend einzufinden. Um die Eltern besser zu erreichen und ihnen die Angst zu nehmen, haben wir einen Elternbrief und Entschuldigungsschreiben in verschiedenen Sprachen verfasst.

Unterstützung beim Lesen lernen

Seit Februar 2014 unterstützt uns der Verein „Mentor-Leselernhelfer“. Ehrenamtliche Frauen und inzwischen auch Männer kommen also bereits seit 4 Jahren zu uns in die Schule und lesen in einer 1:1- Situation mit den Kindern und Jugendlichen. Aus anfangs einer Mentorin sind mittlerweile 13 geworden.

25 Stunden stehen sie den Kindern und Jugendlichen als Lesehelfer zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler warten ganz gespannt auf ihre Lesestunde. Die ehrenamtlich arbeitenden Frauen und Männer bringen nicht nur Freude und Abwechslung in den Schulalltag, sondern sind für uns Lehrer – und hier ganz besonders in der Intensivklasse – eine riesige Unterstützung und dafür sind wir ihnen und dem Verein sehr dankbar.

Wenn Sie mehr über die Arbeit des Vereins erfahren möchten, klicken Sie auf folgenden Link: Mentor Leselernhelfer.

Eislaufen mit den Intensivklassen